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„Sitzt, passt und hat Luft“
Das Beiboot neben der Stadthalle nimmt seit gestern Fahrt auf

Bielefeld. Die Aktion mit der großen Symbolkraft kam ganz am Schluss. Joachim Berens, Geschäftsführer der Bielefelder Beteiligungs- und Vermögensgesellschaft (BBVG), übergab den Staffelstab an Hans-Rudol Holtkamp, den Geschäftsführer der Stadthallen-Betriebsgesellschaft. Berens ist Bauherr der neuen Austellungs- und Veranstaltungshalle, Holtkamp der künftige Betreiber. Zur Einweihungsfeier kamen rund 280 Gäste.

Das neue halbrunde Gebäude steht direkt neben der Stadthalle. Diese wird wegen ihrer Gestalt oft als Dampfer bezeichnet, die neue Halle ist dann das Beiboot. Alle Redner der Feier gestern waren voll des Lobes. Berens betonte besonders, dass der Kostenrahmen von 14,8 Millionen Euro eingehalten worden sei. Außer sei der Gebäude „in der sportlichen Zeit von 16 Monaten entstanden“.

Dabei waren die Gründungsarbeiten nicht einfach. Unter der neuen Halle verläuft die Stadtbahnhaltestelle „Hauptbahnhof“.

Festredner August Oetker zitierte ein Gedicht des Kabarettisten Fritz Eckenge (Rundfunkspruch: „Da kannst du jetzt mal in der nächsten Halbzeitpause ’ne Viertelstunde drüber nachdenken“). Der lässt den lieben Gott bei der Schöpfung sagen: „Macht Euch nicht ins Hemd Ihr Pfeifen, langsam müsst Ihres begreifen, erst mach’ ich den Rest der Welt, später kommt Bielefeld“.

Die Stadt werde zwar von Dichtern gern verspottet, trotzdem dem schimmere immer die besondere Bezieung der Spötter zur Stadt durch. Bielefeld, so Oetker, sei liebs- und lebenswert, attraktiv und erfolgreich. Die Richtung stimme. Sorgen mache ihm die Entwicklung der städtischen Haushalte. Die Erhöhung der Gewerbesteuer sei kein angemessens Mittel.

Oberbürgermeister Pit Clausen erklärte, die Halle mit ihren gläsernen Fronten sei ein „richtiger Hingucker“. Das Stadtoberhaupt: „Sitzt, passt und hat Luft“. Beim Ice-Dome (siehe unten) werde er sich die Schlittschuhe nicht schnürren. Clausen: „Als Politiker und Oberbürgermeister, versuche ich Glatteis zu vermeiden.“

Der Entwurf für die neue Halle stammt vom Hamburger Arichtektburö Gerkan, Marg und Partner, die bereits vor 20 Jahren die Stadthalle geplant hatten. Die neue Halle verfügt über 3.000 Quadratmeter Austellungs- und Veranstaltungsfläche und kann maximal 5.000 Menschen fassen. Sie ist 90 Meter lang, 40 Meter breit und 22 Meter hoch.

Holtkamp: „Mit der neuen Halle sind wir nicht besser als andere Städte, aber wir befinden uns jetzt mit ihnen auf Augenhöhe.“

Von Thomas Güntter und Andreas Frücht (Fotos) – NW Nr. 221, 10. September 2010

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