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Flüchtingsheim wird größtes in NRW

An der Brackweder Erstaufnahmeeinrichtung haben die Bauarbeiten zur Erweiterung um 196 Betten begonnen

• Brackwede (WB). Bis zum Sommer 2015 soll in Brackwede die NRW-weit größte Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge aus aller Welt entstehen. Das Haus an der Gütersloher Straße 259, Ecke Südring, wird von jetzt 254 auf dann 450 Betten erweitert. Es löst damit die Station in Dortmund-Hacheney (aktuell 350 Betten) in der Randliste ab. Die Bauarbeiten haben gerade begonnen.

Bauherr in Brackwede ist die Hotelbetriebsgesellschaft (HBG) Südring, die die europaweite Ausschreibung gewonnen hatte. Sie soll die Maßnahme nach Vorgabe des Landes NRW so zügig vorantreiben, dass schon am 1. August 2015 die ersten Asylsuchenden unter dem neuen Dach einen Schlafplatz finden. Denn bundesweit wird unter anderem wegen des Krieges in Syrien mit einer allgemeinen Zunahme der Flüchtlingsströme gerechnet.

Deshalb stehen die Bagger des Tiefbauers Ellerbrock jetzt bereit: Das Wäldchen, das die Einrichtung bisher etwas von der stark befahrenen Kreuzung „Brackweder Hof“ abschottete, ist den Bauplänen des Architekturbüros Oehme + Partner bereits in der vergangenen Woche zum Opfer befallen. „Wir haben jeden Baum stehen gelassen, der nicht ungedingt gefällt werden musste“, beteuert HBG-Geschäftsführer Jürgen Beier. Dennoch sei der Bestand leider stark in die Knie gegangen, weil es auf dem rund 1500 Quadratmeter großen, keilförmigen Grundstück eben darum ginge, Platz für neue Großunterkünfte zu schaffen.

Geplant ist ein viergeschossiges Haus in Form des Buchstaben „L“, das dem bestehenden Gebäude optisch und bautechnisch angeschlossen werden soll. Die neue Front zur Gütersloher Straße hin ist mit 28,5 Metern, die zum Südring hin mit 51,5 Metern veranschlagt. Hinter den Mauern sehen die Architekten 50 Zimmer zu je zwei, vier oder sechs Betten vor, dazu Speise- und Sozialräume.

Zwischen beiden Gebäuden soll eine Freifläche entstehen, auf die sich Jürgen Beier besonders freut: „Es wird ein geschlossener Innenhof mit Spielplatz, Grünfläche und Sitzgelegenheiten“, erklärt der Geschäftsführer. „Das ist ideal für unsere vielen kleinen Gäste. Manchmal haben wir bis zu 15 Bobby-Car-Fahrer im Haus. Die konnten wir bisher niemals unbeaufsichtigt lassen. In Zukunft wird das möglich sein.“

Zum Investitionsvolumen macht Jürgen Beier derzeit keine detailierten Angaben, weil wohl noch nicht alle Arbeiten vergeben sind. „Aber für eine oder zwei Millionen können Sie so ein Haus garantiert nicht bauen“, sagt er. Mit der Stadt Bielefeld ist der bestehende Beherbergungsvertrag gerade um fünf weitere Jahre bis 2020 verlängert worden. Sie zahlt der HBG wie bisher für jedes belegte Bett einen Festbetrag. Aktuell sind laut Beier 233 Flüchtlinge im Haus. Die Syrer machten den Löwenanteil aus, gefolgt von Eriteern, Algeriern und Marrokanern. Ihre durchschnittliche Verweildauer in der Erstaufnahmeeinrichtung beträgt vier bis fünf Tage, bevor sie nach einem Verteilschlüssel zu einem längeren Aufenthalt in ein anderes Heim übersandt werden.

Westfalen-Blatt, 8. Oktober 2014

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