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Einsatz für die Öko-Siedlung
Nach dem „Nein“ in Dornberg: Entwickler wollen Politiker doch noch überzeugen
Hoberge-Urentrup. Ihre Pläne sind ambitioniert: Seit
rund acht Jahren arbeiten Diplom-Ingenuieur Joachim Oehme und Architekt Christoph
Klasing an einer „hochwertigen“ Siedlung nahe der Feuerwache in Hoberge mit
Häusern in ökologischer Bauweise, energetisch weitgehend autark durch
Solar und Erdwärme. Gerne würden sie bald bauen, doch bisher fehlt
der Rückhalt aus der Politik.
Die Mehrheit in der Bezirksvertretung Dornberg lehnte den Bebauungsplan „Klasings Feld“ jetzt ab (die NW berichtete). „Das hat uns nach den Rückmeldungen, die wir hatten, überrascht“, sagt Oehme. Nun wollen er und Partner Klasing sowie Thomas Broelemann von der Klasingschen Familienstiftung – dem Eigentümer des Grundstücks an der Dornberger Straße – nochmal Überzeugungsarbeit leisten bei Bielefelds Politikern.
„Was wir hier planen gibt es bisher nur in Freiburg“, sagt Oehme. Ein ökologisches Vorzeigeprojekt soll es sein, sagt der Ingenieur, der als Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Braunschweig die Planungen mit Studenten begleitet. Es gibt feste Vorgaben bei der Öko-Siedlung mit knapp 30 Wohneinheiten: Solardächer, eigenes Blockheizkraftwerk, ökologische Baustofftechnik mit wärmespeichernden Materialien wie Lehm und Paraffin, moderne Architektur, flexible Grundrisse für generationsübergreifende Wohnformen, grüne Außengestaltung durch Landschaftarchitekten. „Einen Erschließungsträger haben wir auch“, sagt Oehme.
Die städtische Verwaltung ist auf ihrer Seite. Das Bauamt hatte den Dornberger Bezirksvertretern vorgeschlagen, für einen Bebauungsplan zu stimmen. Das tat aber nur die CDU. Grüne, SPD und BfB bewerteten die Auswirkungen vor Ort als nicht hinnehmbar: Bebauung zu nah am Wald und auf der Nordseite des Teutoburger Walds; mehr Lärm; beeinträchtigte Frischluftzufuhr.
Oehme und Klasing erwidern: Rundherum gibt es schon lange Wohnhäuser noch näher am Wald, der von der Klasischen Familien-Stiftung gepflanzt worden ist; Ausgleichflächen sind kein Problem, die Baufläche ist derzeit ökologisch minderwertig bewachsen; Frischluft kommt in der Regel von Westen und wird daher nicht durch die Siedlung eingeschränkt; Verkehrslärm entsteht nicht für die Nachbarn (wenn, dann nur für Klasing selbst, der dort wohnt); hochwertiges Wohnen wird in Bielefeld nachgefragt und ist nötig. „Wir haben schon Anfragen. Solche Projekte sind in einer Stadt wie Bielefeld mit einer Uni wichtig“, sagen Klasing und Oehme. Auch für die Zukunft der Hoberger Schule sei der Bau der Siedlung von Vorteil.
Eigentlich hatten die Entwickler neben der Zustimmung der CDU mit den Stimmen der SPD gerechnet. Die habe zuvor erkennen lassen, dass sie sich die Bebauung vorstellen könne, so Oehme. Sogar die Grünen wähnten er und seine Partner eher auf ihrer Seite. „Wir haben das Projekt der Umweltdezernentin Anja Ritschel vorgestellt. Ihre Reaktion darauf war äußerst positiv“, berichtet Oehme. Ritschel ist Grünen-Mitglied.
Aufgeben will das Ingenieur- und Architekten-Team nicht. „Wir sind für alle gesprächsbereit und würden auch gerne in die Bezirksvertretung gehen und das Öko-Projekt dort vorstellen“, sagt Oehme.
Als nächstes wird die Vorlage des Bauamts mit dem Namen „Klasings Feld“ am Dienstag, 27. April, im Stadtentwicklungsausschuss beraten.
Neue Westfälische, 21. April 2010