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Da sein, zuhören, Zeit haben

Seelsorge spielt im Frankfurter Franziska-Scherver-Seniorenzentrum eine wesentliche Rolle

Als „kleine Gemeinde“ sieht Bernd Trost die Einrichtung, deren Leiter er ist. Das Franziska-Scherver-Seniorenzentrum mitten in Frankfurt sei „faktorisch schon jetzt“ ein solcher Ort kirchlichen Lebens, wie er die „Pfarrei neuen Typs“ nach Vorstellung von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst kennzeichnen soll.

Die Seelsorge spielt in dem Altenpflegeheim, das auch Platz für Betreutes Wohnen bietet, eine wesentliche Rolle. Ihr Gesicht: Schwester Maria Veronika Schmitt. Die Aachner Franziskanerin setzt um, was Bernd Trost für die Seelsorge für unverzichtbar hält – „Erreichbarkeit und Ansprechbarkeit“. Man habe mittlerweile gelernt, dass mit selbst gesetzten Themen und Angeboten aus dem „klassischen“ Spektrum, wie Bibelarbeit oder Glaubensgesprächen, die Menschen nur begrenzt errreicht würden.

Erfahrung als Diakon

„Seelsorge muss anders passieren“, sagt Trost, der aus seiner Tätigkeit als Diakon in seiner Limburger Heimatgemeinde ähnliche Erfahrungen mitbringt. Das primäre Angebot, das Schwester Maria Veronika macht, sei deshalb: da sein, ansprechbar sein, zuhören, Zeit haben.

Dabei beschränkt sich das offene Ohr der Franziskanerin nicht auf die Hausbewohner. Ihre Sorge gilt genauso dem Personal und den Angehörigen, „allen, die hier im Haus einen Lebensmittelpunkt haben“, wie Trost es formuliert. Dass es auch einen Altenheim in katholischer Trägerschaft längst nicht mehr nur mit Christen, geschweige denn mit Katholiken, zu tun hat, kann angesichts der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung nicht verwundern. „Mancher, der durchaus distanziert zu verfasster Kirche steht“, finde im Franziska-Schervier-Haus „trotzdem seinen Ort“. Und nicht selten den Anstoß, sich neu mit den großen Fragen des Lebens und Glaubens zu beschäftigen. Trost erinnert sich gut an den hochgebildeten Bewohner, der, obgleich von existentialischem Denken geprägt, am Ende seines Lebens noch ein Suchender wurde, der offenbarte: „Ich bin doch mal gespannt, wie das im Himmel ist…“

Offenheit und Langmut sind gefragt

Weil das Haus eine Reihe an Demenz erkrankter Bewohner hat, bietet Schwester Maria Veronika ihnen einen eigenen Gottesdienst. „Viel Offenheit und viel Langmut“ sei da gefragt, weiß Bernd Trost. „Ich arbeite viel mit Symbolen“, setzt die Seelsorgerin bei den Dementen vor allem auf Elemente, die gut nach nachvollzuziehen sind. Auch Rituale seien wichtig – „das weckt Erinnerung, das ist etwas Vertrautes und gibt so ein Stück Sicherheit“.

Als weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit nennt Schwester Maria Veronika „Sterben, Tod und Verabschiedung. Das braucht viel Zeit und innere und äußere Kraft“, sagt die Ordensfrau. Eine Liturgie- und Brauchtumsgruppe gibt es im Schervier-Haus auch. „Wir gestalten die kirchenzeitlichen Feste in den Wohnbereichen und kümmern uns auch, wenn jemand ein Kreuz haben möchte oder ein religiöses Bild“, erläutert die Seelsorgerin, der noch zwei ihrer älteren Mitschwestern ehrenamtlich zur Seite stehen. Auch eine Reihe ehrenamtlicher Helfer aus der Stadt gehört zur „Gemeinde“ im Franziska-Schervier-Senioren-Zentrum.

Barbara Schmidt • „Der Sonntag“ • Nummer 30 • 24. Juli 2011

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