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Ausbau der Anker-Gärten beginnt

Alte Fabrikgebäude entkernt / Bautra plant Bezug ab Anfang 2016

• Bielefeld. Am Anfang ist das Chaos. Doch es lichtet sich. Der Umbau der alten Anker-Werk-Gebäude an der Ravensberger Straße in eine moderne Wohnanlage zählt zu den größten Projekten, die derzeit in Bielefeld laufen. Die Bielefelder Bautra Immobilien GmbH plant die Anker-Gärten mit 93 großzügigen Wohnungen und fünf Gewerbeeinheiten um einen begrünten Innenhof und investiert gut 30 Millionen Euro. Abbruch und Entkernung sind soweit fortgeschritten, dass diesen Monat der Ausbau beginnen kann.

„Wir liegen im Zeitplan“, sagt Projektleiter Arne Schulten-Baumer. Anfang 2016 sollen die Anker-Gärten bezugsfertig sein. Wer jetzt die Großbaustelle betrachtet, mit Löchern und aufgerissenen Wänden, mag daran kaum glauben. Doch die Arbeiten machen trotz aller Probleme, die solch tiefe Eingriffe in Altbauten mit sich bringen, gute Fortschritte, sagt Schulten-Baumer.

„Bau im Bestand – da gibt es jeden Tag einen neuen Befund“, zeigt Frank Ihlenfeld vom Bielefelder Architektur- und Baubüro Oehme + Partner die Schwierigkeiten auf, auf die die Planer stoßen. So stellten sie an der Rückseite des Ravensberger-Straße-Trakts Reste eines Bombentreffers fest. „Da ist nach dem Krieg angebaut worden“, sagt Ihlenfeld: „Wir flicken am Flickwerk.“

Weitere Hürde ist der Denkmalschutz der Fassade auf der Seite Ravensberger und Turnerstraße – die aufgearbeitet und restauriert werden muss. Deshalb kann die Struktur der Bausubstanz nur begrenzt verändert werden – für den Wohnungszuschnitt schon eine besondere Aufgabe.

Elf Treppenhäuser werden die neun Trakte im Karree zwischen Ravensberger, Turner- Rohrteichstraße erschließen. Mehr als 15 Meter geht der Blick derzeit nach oben bis unters Dach, wo die neuen Fahrstuhlschächte und Treppen entstehen. Die Architektur der alten Industrie- und Verwaltungsbauten ist totz Entkernung noch deutlich zu erkennbar. Die Lage der Fenster und alten Abteilungen bildet die Struktur der Wohnungen, die zwischen 50 und 250 Quadratmeter groß und bis zu 3,50 Meter hoch sein werden.

Die Auflagen des Denkmalschutzes finden sich auch in den Sprossen der Fenster wieder. Schulten-Baumer öffnet ein Musterfenster, das viel Licht in den Raum wirft. Denn die Glasflächen sind bis zu 16 Quadratmeter groß und unterstützen den Loft-Charakter. Den besten Blick über die Stadt hat man von den Penthäusern aus. Gabrys Stawek, Zgibniew Knutelski und ihre Kollegen von der Herforder Firma AKD-Bau haben mit dem Aufbau begonnen. Große Betonfertigteile werden mit dem Kran nach oben gezogen. Die Decke ist als Hohlkörper konzipiert, um Gewicht zu sparen. Denn die Statik ist bei dem Radikalumbau ein wichtiges Thema.

An Rohrteich- und Turnerstraße hat Bautra die langen Gebäuderiegel an je einer Stelle öffnen lassen, um Zugänge und Offenheit zu schaffen. Zugeschüttet wird ein alter Tunnel, der den Anker-Komplex mit dem Parkhaus Hermannstraße verbindet. Die markante Anker-Brücke bleibt aber erhalten und wird renoviert.

An der Ravensberger Straße haben die Stadtwerke begonnen, Fernwärme-, Strom- und Wasseranschlüsse neu zu verlegen. Die folgende Sanierung der verrohrten Lutter dort wird noch länger als die Baustelle Anker-Gärten dauern. Angedacht ist, einen Teil des Lutter-Wassers offen fließen zu lassen.

Die Vermarktung der 93 Wohnungen, die zu Preisen zwischen 2.700 und 3.300 Euro pro Quadratmeter angeboten wurden, ist bereits abgeschlossen. „Alle 93 Wohnungen sind verkauft“, erklärte Bautra-Inhaber Christoph Buse. Die meisten Käufer kämen aus Bielefeld und Umgebung.

Die erforderlichen 120 Stellplätze kann Bautra im benachbarten Parkhaus Hermannstraße nachweisen. Denn das hat die Immobilienfirma ebenfalls gekauft und lässt die Anlage mit 818 Stellplätzen sanieren. Der Beton wird abgestrahlt und aufgearbeitet, der Gussasphalt entfernt und erneuert. Die Arbeiten laufen bei Teilsperrungen, so dass das Parkhaus weiter in Betrieb ist. Schulten-Baumer rechnet noch Ende des Jahres mit der Fertigstellung. Allein ins Parkhaus steckt Bautra drei bis vier Millionen Euro.

In den Gewerbeeinheiten, die an den Ecken des Anker-Gärten-Komplexes liegen, sollen Büros einziehen. Die Kellerräume, die viele Jahre die Bielefelder Puppenspiele nutzten, sind für Archiv und Lager vorgesehen.

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Neue Westfälische, 14./15. Mai 2015

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