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Asylsuchende müssen dichter zusammenrücken

Heim am Südring erwartet schwierige Zeiten während der Erweiterung

• Brackwede (WB). Ein vierstöckiger Anbau mit 2900 Quadratmetern Nutzfläche und 200 neuen Schlafplätzen soll Entlastung bringen für die zuletzt oft am Limit belegte Erstaufnahmeeinrichtung an der Gütersloher Straße 259, Ecke Südring. Doch während der Bauarbeiten, die gerade begonnen haben, wird sich die Lage noch verschärfen.

Damit rechnet Jürgen Beier, Geschäftsführer der Hotelbetriebsgesellschaft Südring, die das Haus betreibt und jetzt, wie berichtet, im Auftrag des Landes NRW bis August 2015 erweitert. „In den kommenden Monaten werden sich Belegschaft und Gäste einschränken und dichter zusammenrücken müssen“, sagt er. „Denn die Arbeiten passieren ja bei laufendem Betrieb.“ Der enge Eingangs- und Außenbereich werde auf wenige Quadratmeter zusammenschrumpfen. Dort können die Busse, mit denen die Asylsuchenden mehrmals täglich kommen und abgeholt werden, schon jetzt kaum wenden.

Doch die Aussichten sind einigermaßen rosig: Das einmal erweiterte Haus soll Mitarbeitern wie Asylsuchenden einen besseren Standard bieten – durch vier bis fünf neue Stellen für Sozialbetreuer und Pflegepersonal, durch Barrierefreiheit, Krankenstation, größere Aufenthalträume, einen Speisesaal mit 245 Sitzplätzen (statt vorher zweimal 40), einen ruhigen Innenhof mit Kinderspielplatz und nicht zuletzt mit einer Busumfahrt, die Wenden gänzlich überflüssig macht.

Architekt Joachim Oehme spricht von einer „anspruchvollen Ausschreibung“, deren Umsetzung es ermögliche, einzelne Geschosse oder Gebäudeteile sowohl vertikal als auch horizontal abzutrennen. Das könnte zum Beispiel dabei helfen, die Verbreitung von Masern oder Windpocken einzudämmen. Die Einrichtung müsste nicht zwangsläufig geschlossen werden.

Der interessierte Brackweder wird das neue Haus als großen Klotz mit schlichter Putzfassade und Flachdach wahrnehmen. Oehme ist aber sicher, dass es nicht aus dem Rahmen fällt, da es weder den nahen Brackweder Hof noch die BKK Gildemeister-Seidensticker überragt.

Mit einem Fassungsvermögen von dann 450 Menschen wird die Brackweder Einrichtung vorübergehend größte Station zur Flüchtlingsaufnahme in NRW sein. Doch schon im Herbst 2015 solle in Essen ein größeres Haus eröffnen – mit 800 bis 900 Betten.

Westfalen-Blatt, 11./12. Oktober 2014

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