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314 Bewerber wollen Böckstiegel-Museum bauen

Böckstiegel-Stiftung lost Teilnehmer für Architekturwettbewerb aus / 40 Büros werden nun Vorschläge unterbreiten

VON ANJA HANNEFORTH

• Werther/Gütersloh. James Bond könnte das Böckstiegel-Museum bauen. Nun ja, vielleicht nicht ganz. Aber er hatte die Lacher auf seiner Seite, als aus der Vielzahl der Architekturbüros mit der zufällig vergebenen 007 ausgerechnet die Nummer des berühmten Geheimagenten gezogen wurde – übrigens ein Büro aus Freilassing in Bayern. Und spannend war der Augenblick im Foyer des Gütersloher Kreishauses allemal, als die 30 Teilnehmer, die nun im Wettbewerb zur Realisierung eines Böckstiegel-Museums antreten werden, ausgelost wurden. Immerhin 314 Bewerbungen waren bei der Stiftung eingegangen, unter anderem sogar aus Spanien, Polen, Finnland und der Schweiz – ein sagenhaftes Ergebnis, das zeigt, wie begehrt die Aussicht auf den Zuschlag für einen Museumsbau ist.

Es war ein Moment, von dem viele geträumt haben. Und zwar nicht nur Mitglieder der Böckstiegel-Stiftung, Landrat Sven-Georg Adenauer und Werthers Bürgermeisterin Marion Weike. Sondern zum Beispiel auch der 2007 verstorbene Künstlersohn Vincent Böckstiegel.

Christiane Winkler-Schröer, die genau gegenüber dem Böckstiegel-Haus in Arrode wohnt und oft mit ihm vor dem Haus gestanden hat, erinnert sich: „»Stell’ dir vor, Christiane«, hat er immer gesagt: »Hier soll einmal ein Museum entstehen«.“
Sie habe diesen Satz noch so im Kopf, als ob ihn Vincent Böckstiegel erst gestern gesprochen hätte, sagt sie. Und freut sich unheimlich, dass der Museumsbau nun Realität wird.

Sorgen, dass dann zu viele Autos die Schloßstraße befahren könnten oder der Neubau womöglich gar nicht in die Landschaft passt, macht sie sich keine. Im Gegenteil: „Ich bin mir sicher, dass die Stiftung die richtige Lösung auf alle Fragen finden wird“, sagt sie und ist sich mit ihrem Mann Dr. Dirk Schröer einig.

Weil sie sicherlich zu denjenigen gehören wird, die das Museum am meisten spüren werden – nicht zuletzt in der Bauphase – und weil sie das Projekt mit so großer Begeisterung unterstützt, hat die Böckstiegel-Stiftung sie als Vertreterin der Nachbarn ausgewählt, um als »Glückfee« bei der Auslosung der 30 Architekturbüros zu fungieren, die am Wettbewerb teilnehmen dürfen. Denn natürlich können nicht alle 314 Büros mitmachen, „so viele Vorschläge ließen sich rein zeitlich gar nicht sichten und bewerten“, sagt Projektsteuerer Joachim Oehme.

Zehn Büros wurden im Vorfeld von ihm »gesetzt«, ein üblicher Prozess bei Architekturwettbewerben, um die Qualität der Ergebnisse zu sichern. Denn niemand weiß natürlich, ob die 30 zugelosten Büros schon einmal ein Museum oder ähnliches öffentliches Gebäude dieser Art geplant und realisiert haben.

Jeder der 314 Bewerber erhielt eine Nummer, die sich auf kleinen blauen Chips wiederfanden. Nachdem der Landrat ordentlich die Lostrommel gedreht hatte, schritt Christiane Winkler-Schröer zur Tat. Ein ums andere Büro wurde gezogen, allein sieben aus Berlin, je drei aus Münster und München. Aus der Nähe kommt keines, nicht einmal aus Ostwestfalen. Dafür zwei Büros aus der Schweiz, eines aus Basel, das andere aus Zürich. Bewerber aus Österreich, Irland und den Niederlanden gingen leer aus.

„Ich hoffe, dass ich die richtige Wahl getroffen habe“, schmunzelt Christiane Winkler-Schröer als sie den letzten blauen Chip in die achtsamen Hände von Joachim Oehme und Gudrun Walter gegeben hatte.

Anfang nächsten Monats erhalten alle Büros die Unterlagen, danach können sie sich ans Werk machen. Bis September haben sie Zeit, ein Museum für Peter August Böckstiegel zu entwerfen. Dann wird ein Preisgericht die vier besten Entwürfe auswählen. Einer davon – nicht zwingend der des Gewinners – wird am Ende realisiert. Diese Entscheidung trifft die Böckstiegel-Stiftung. Weshalb ihre Mitglieder schon jetzt aufgeregt dem Tag entgegenfiebern, da die ersten Vorschläge präsentiert werden. „Ich glaube, das wird richtig gut“, ist sich Vorsitzende Ursula Bolte mit allen übrigen Entscheidungsträgern einig.

Haller Kreisblatt, 29./30. Mai 2014

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